Projekt Weltethos
- Einleitung: «Projekt Weltethos»
als Herausforderung für den Unterricht
- Situierung des Projektes im Rahmen
des Luzerner Modells des Religionsunterrichts an Gymnasien
- Konzept und Zielsetzungen des
«Projektes Weltethos»
- Projektverlauf: Einführung -
Informationsphase - Projektphase - Auswertungs-phase
- Evaluation des Projektes
5.1 Evaluation der Schüler/innen
5.2 Weiterführende Perspektiven aus religionspädagogischer
Sicht
- Anhang: Hinweise auf Literatur und
Hilfsmittel
5. Evaluation des Projektes
5.1 Evaluation der Schüler/innen
In einer schriftlichen Evaluation nahmen zum Abschluss alle
Schülerinnen und Schüler eine persönliche Auswertung des Projektes vor. Die
Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler fielen in der Regel differenziert aus: Der
zeitliche Aufwand für das Projekt sei wesentlich grösser gewesen, als man ursprünglich
erwartet hatte, doch dieser Aufwand habe sich durchaus gelohnt, lautete der Grundtenor
einer grossen Mehrheit der Rückmeldungen:
- «Mir hat dieses ganze Projekt gefallen, und ich habe auch wertvolle
Erfahrungen gemacht. Ich finde diese Unterrichtsform sehr gut. Man lernt auch sich zu
organisieren, jedoch bräuchte man mehr Zeit.»
- «Diese Unterrichtsform ist auf jeden Fall interessanter und
spannender als die konventionelle Art, jedoch auch arbeitsreicher. Mir persönlich hat
dieses Projekt zugesagt und gefallen.»
- «Am Anfang war ich von einem Filmprojekt überhaupt nicht
begeistert, weil eine solche Herausforderung viel Einsatz und Zeit benötigt, im
Nachhinein bin ich froh, dass wir in unserer langen Schulzeit die Möglichkeit hatten, ein
solches Projekt durchzuführen.»
- «Obwohl wir unter riesigem Zeitdruck gearbeitet haben, und wir
manchmal fast am Durchdrehen waren, sind wir dennoch stolz auf unser Produkt. Im Endeffekt
fanden wir, dass sich der Film gelohnt hat. Solche menschlichen Erfahrungen sind sehr
wertvoll. Ich wage mal zu behaupten, dass uns Bücher diese Erfahrungen nicht geben
können.»
Einzelne Schülerinnen und Schüler gaben auch kritische
Rückmeldungen zum Filmprojekt: Ausschlaggebend für die negative Bewertung waren in der
Regel technische Schwierigkeiten oder zeitliche Engpässe. Andere Stimmen sie
wurden vorwiegend von Schülern der 6. Klasse laut wiesen darauf hin, dass ihnen
die Noten anderer Fächer an der Kantonsschule wichtiger seien als das Fach
«Religionskunde und Ethik» und deshalb das Projekt für sie viel zu aufwändig gewesen
sei: «In der sechsten Klasse haben wir Abschlussfächer, die oberste Priorität für mich
haben und die viel Zeit benötigen, deshalb empfand ich das Interview als allzu grossen
Aufwand für ein 1-Stunden-Fach», monierte ein Schüler.
Ganzheitlicher Lernprozess
In den meisten Rückmeldungen wurde indessen betont, man habe aus
den gemachten Erfahrungen viel lernen können. Viele Schüler/innen wiesen darauf hin,
dass beim Projekt ein Lernprozess auf ganz verschiedenen Ebenen (inhaltlich, persönlich,
arbeitstechnisch, sozial) stattgefunden habe.
Dazu wiederum einige Stimmen im Originalton:
- «Ich finde diese Art etwas zu lernen viel besser, weil man sich so
selber mit dem Thema auseinandersetzen kann. Es macht viel mehr Spass etwas auf diese Art
zu lernen.»
- «Neben arbeitstechnischen Erfahrungen in der Gruppe fand ich das
Gespräch mit der Judaistin und Islamwissenschafterin Simone Rosenkranz sehr interessant.
Sie konnte die unterschiedlichen Auffassungen zu einem Thema in verschiedenen Religionen
anhand ihrer persönlichen Erfahrungen sehr gut schildern, was mich stark beeindruckte.
Deshalb werde ich das Projekt Weltethos als erfolgreich in Erinnerung behalten.»
- «Wir haben durch das Filmprojekt auch in sozialer Hinsicht
profitiert: Zwischen uns entwickelte sich während der Arbeit eine demokratische
Gruppendynamik. Wir mussten uns in Toleranz üben und haben es so geschafft, dass alle
gleichberechtigt waren und gleich viel zum Film beigetragen haben. Die Überwindung jedes
Hindernisses schenkte uns mehr Zuversicht, Selbstvertrauen und Zielstrebigkeit... So
können wir trotz den unzähligen Stunden, die wir in das Projekt investieren mussten,
sagen, dass es sich gelohnt hat.»
- «Ich fand die Methode des Interviews sehr gut, um sich mit dieser
Thematik auseinanderzusetzen. Das Interview mit der muslimischen Schülerin Leila
Bouterâa war für mich sehr aufschlussreich. Auch rein von der Organisation her habe ich
dazugelernt.»
- «Von mir aus gesehen bringt diese Unterrichtsform viel mehr als der
normale Unterricht. Man hat persönlichen Kontakt zu einer aussenstehenden Person und
konnte deshalb auch den eigenen Horizont erweitern.»
- «Der Einblick in den Buddhismus hat mir sehr viel gebracht, denn ich
lernte sehr viel Neues dazu. Das Schneiden des Films hat sehr viel Zeit und Nerven
beansprucht, aber es hat mir dennoch Spass gemacht. Durch die Vorträge anderer Gruppen
habe ich sicher auch noch etwas dazugelernt.»
- «In unserer Gruppe sind wir uns einig, dass es sich auch auf
sozialer Ebene gelohnt hat. Bei diesem Film gab es kein ICH, sondern nur das WIR. Wir alle
haben unseren Teil dazu beigetragen.»
Abbau von Vorurteilen durch Begegnung
In ihren Rückmeldungen betonen die Schülerinnen und Schüler
weiter, dass sie durch die persönlichen Begegnungen mit Menschen anderer Religionen viele
Vorurteile abbauen konnten:
- «Die grösste Erfahrung des Filmprojektes ist sicher der Einblick in
die Welt des Islam, und zwar aus erster Hand. Wenn sich alle Skeptiker einmal so befassen
würden, gäbe es sicher noch den einen oder anderen, der seine negative Meinung über
diesen Glauben ändern würde, und das wäre ja eigentlich das Ziel: ein wenig mehr
Toleranz gegenüber fremden Kulturen und Religionen.»
- «Mir hat diese Arbeit sehr viel gebracht und ich fand sie toll.
Jetzt habe ich eine offenere Beziehung zum Islam und meine Vorurteile sind ausgelöscht.»
- «Mit anfangs wenig Wissen vom Buddhismus lernte ich während dem
Projekt viel Neues kennen. Besonders gut war der Vortrag von Lama Ole Nydahl in Bern. Er
war sehr freundlich, offen und hat uns den Buddhismus sehr nahe gebracht.»
- «Das Interview mit der muslimischen Mitschülerin Leila Bouterâa
war für uns alle überraschend spannend. Nach der Auswertung des Interviews kamen wir zum
Schluss, dass das weitverbreitete Bild der unterdrückten Frau im Islam nicht mehr aktuell
ist. Sicherlich gibt es solche Fälle noch, aber ich glaube, man findet überall auf der
Welt, in jeder Religion, unterdrückte Frauen.»
- «Das Gespräch mit einem muslimischen Jugendlichen unseres Alters
hat uns dem Islam nähergebracht und wir lernten diese Religion dadurch besser kennen. Ich
glaube, dass wir durch dies Arbeit toleranter gegenüber dem Islam geworden sind.»
- «Unser Besuch im buddhistischen Kloster in Gelfingen war für uns
sehr eindrucksvoll und neu. Diese Eindrücke beschäftigten uns sogar noch nachher, denn
es ist wirklich eine ganz andere Kultur. Auch die Gastfreundschaft hat uns sehr
beeindruckt.»
- «Dank dem Filmprojekt wurde unser Bild vom Islam sehr verändert. Es
ist immer besser, wenn man mit einer betroffenen Person selber sprechen kann, als wenn man
die Informationen durch Medien oder durch andere Personen erfährt.»
Schlussfolgerungen
Aufgrund der Rückmeldungen von Seiten der Schülerinnen und
Schüler lässt sich wohl schliessen, dass zahlreiche der zu Beginn formulierten
Projektziele umgesetzt werden konnten. Das Projekt wurde für die Beteiligten insgesamt zu
einer wertvollen Erfahrung, die noch lange in Erinnerung bleiben wird. Zudem erwiesen sich
zahlreiche der hergestellten Kurzfilme als geeignete Dokumente, die später auch in
anderen Klassen einen idealen Anstoss für Diskussionen rund um das Thema der
Weltreligionen geben können.
Schwierigkeiten ergaben sich beim Projekt vor allem durch den
zeitlich zu engen Rahmen, der zur Verfügung stand: Für die eigentlichen Dreh- und
Schnittarbeiten konnten im Rahmen des regulären Unterrichts nur etwa acht bis zehn
Stunden eingesetzt werden. Die Erfahrung zeigte indessen, dass für den Filmschnitt in der
Regel doppelt so viele Stunden benötigt wurden, so dass die meisten Gruppen einen
beträchtlichen Teil ihrer Freizeit für die Realisierung des Films einsetzen mussten.
Diese zeitlichen Probleme liessen sich bei einem künftigen Projekt indessen dahingehend
lösen, dass die Herstellung des Films im Rahmen einer Projektwoche oder in einer
intensiveren fächerübergreifenden Zusammenarbeit (Bildnerisches Gestalten,
Deutsch/Medienpädagogik, etc.) durchgeführt würde.
Leider konnten beim vorliegenden Projekt auch die weiterführenden Schritte nach der
Fertigstellung der einzelnen Kurzfilme zu wenig ausgeschöpft werden, da am Schluss zu
wenig Zeit übrig blieb. Die zum Teil sehr intensiven Diskussionen nach der Präsentation
der Filme zeigten indessen, dass gerade hier ein bedeutsames Potential vorhanden wäre:
Auf der «Metaebene» könnten zahlreiche Erfahrungen aus den Schülerarbeiten zweifellos
noch weiter reflektiert und zum eigenen Glauben in Beziehung gesetzt werden. An konkreten
Ansatzpunkten zu einem echten Dialog zwischen dem Christentum und anderen Religionen
dürfte es nach den intensiven Erfahrungen im Rahmen des Filmprojektes kaum fehlen!